


Was heisst hier "robust"? - Es heisst widerstandsfähig, mehr oder weniger resistent gegen Pilzkrankheiten, die im Weinbau vorkommen. Diese befallen alle herkömmlichen Rebsorten europäischer Familien . Ein solcher Pilzbefall kann den Ertrag der Winzerin oder des Winzers schmerzlich reduzieren.
Was tut der nicht Bio Winzer dagegen? - Die herkömmlichen Rebsorten werden jährlich mehrmals mit Fungiziden (= Pilze abtötende Mittel) bespritzt, auch profilaktisch. So gelangen diese Spritzmittel in die Umwelt und belasten diese sinnlos.
Warum werden die Reben krank? Die beiden häufigsten Krankheiten sind der Falsche und der Echte Mehltau und die Reblaus. Diese Krankheiten wurden erst im 19. Jahrhundert von Nordamerika nach Europa eingeschleppt und haben sich explosionsartig ausgebreitet. Der Weinbau in Europa drohte zugrunde zu gehen.
Der Reblaus wurde man Meister, in dem die europäischen Reben auf eine andere Unterlage (Wurzel) gepfropft wurden. Gegen Mehltau wurden und werden unschöne Spritzmittel entwickelt und eingesetzt. Vor allem der Falsche Mehltau schafft in unserem feuchten Klima auch heute noch Probleme. Vor dieser Zeit musste man Reben nicht spritzen.
Was gibt es für Alternativen zum herkömmlichen Pflanzenschutz mit umweltbelastenden Mitteln?
Robuste oder widerstandsfähige Rebsorten und biologische Spritzmittel!
Nach der Einschleppung dieser Krankheiten begann man mittels Kreuzungen resistente Sorten zu züchten. Man kreuzte herkömmliche europäische Sorten mit resistenten amerikanischen Sorten, die dort heimisch sind und gegen die Pilze resistent sind. Das Ziel: die Qualität der europäischen Sorten mit der Resistenz der amerikanischen Pflanzen kombinieren. Seit Beginn dieser Züchtungsarbeiten gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis heute sind tausende von Kreuzungen durchgeführt worden. Mit den Abkömmlingen der ersten Kreuzungen wurden immer weitere natürliche Kombinationen geschaffen, die nun langsam aber sicher erfolgreich sind. Das alles ohne Gentechnik.
Diese robusten Rebsorten nennt man Hybriden, Direktträger, interspezifische, pilzwiderstandsfähige oder ökologische Rebsorten. Die Begriffe beinhalten mehr oder weniger das selbe Ziel: Reben zu kultivieren, die gegen verschiedene Krankheitserreger resistent sind. Bei neueren Züchtungen können auch asiatische Arten beteiligt sein. DIe meisten Sorten, die heute noch als Hybriden bezeichnet werden, entstanden in der Zeit von 1880 bis 1935 in Frankreich. Die Hoffnung, diese Sorten könnten sich trotz der aus Amerika eingeschleppten Reblaus auf eigener Wurzel (also nicht als Pfropfreben) behaupten, erfüllte sich nicht. Der auch ab und an kursierende Name "Direktträger" ist daher nicht mehr passend.
Interspezifische Rebsorten (inter species = zwischen den Arten) etabliert sich langsam als gültige Bezeichnung für diese Artengruppe. Das bedeutet nämlich, dass es sich um Kreuzungen zwischen verschiedensten Arten handelt. Zum Beispiel vitis vinifera x vitis riparia. Hier könnte die vitis vinifera ein Pinot noir, ein Chasselas oder sonst eine gängige Rebsorte sein. Viele heute zur Diskussion stehende Rebsorten sind sehr komplexe Kreuzungen. Es ist noch relativ neu, dass sich auch die Forschung bei uns systematischer mit diesen Rebsorten befasst. Die Entwicklung einer neuen Rebsorte von der Kreuzung bis zu ihrer Einführung in die Praxis dauert 15 bis 30 Jahre, eine sehr lange Zeit!
In der Praxis keltern wir heute in unserem Betrieb folgende Sorten: Seyval blanc, Léon Millot, Maréchal Foch, MixFo, VB 32-7. Insgesamt beobachten wir über 30 Sorten. Weiter existieren Johanniter, Solaris, Regent, Chambourcin, Landal, Planet und noch viele hundert Sorten mehr, von denen einige erst mit Arbeitstiteln bezeichnet sind, wie z.B. Fr. 242-73, Fr. 392-83, VB 85-1, VB 89-10-16, VB 89-3, RAC-3209 etc..
Die meisten dieser Arten weisen ein sehr eigenständiges und für unsere Breitengrade ungewohntes Geschmacksprofil auf. SIe sind im Vergleich zu traditionellen Sorten wenig anfällig auf Pilzkrankheiten. Daher ist es uns möglich, mit diesen Sorten absolut ohne Spritzmitel (oder je nach Sorte und Standort) nur mit sehr geringer Anwendung von biologischen Spritzmitteln Weinbau zu betreiben. Das sind klare, ökologisch sinnvolle Vorteile!
Text in Auszügen von Pierre Basler, Stiftungsratspräsident der Stiftung BioVitis, Sandhof, 8833 Samstagern. Die Stiftung fördert die Praxiserprobung von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten.